Bestands- und Potenzialanalyse
Der Wärmebedarf der Gemeinde Schenefeld beträgt rund 27 GWh/a und wird zu 58 % durch Erdgas und zu 31 % mit Heizöl gedeckt. Der regenerative Anteil liegt bei etwa 10 % und setzt sich aus der Nutzung fester Biomasse sowie dem Einsatz von Wärmepumpen zusammen. Rund 36 % der dezentralen Heizungsanlagen sind älter als 20 Jahre und weisen ein entsprechendes Modernisierungspotenzial auf. Der Sektor Wohnen verursacht mit 77 % den größten Anteil am Wärmebedarf. Insgesamt werden jährlich 6.866 Tonnen CO2 durch die Wärmeversorgung in der Gemeinde Schenefeld verursacht.
Die Gemeinde Schenefeld ist nahezu vollständig an das Gasnetz angebunden, ausgenommen sind die westlichen Bereiche des Gemeindegebiets. Im privaten Gebäudebestand wird zudem häufig Heizöl eingesetzt. Die Versorgungsbetriebe Schleswig-Holstein Netz AG (SH-Netz) betreiben sowohl das Gas- als auch das Stromnetz im Gemeindegebiet. Im Jahr 2022 waren in der Gemeinde Schenefeld 53 Wärmepumpen installiert.
Der Gebäudebestand der Gemeinde Schenefeld umfasst rund 990 beheizte Gebäude, die überwiegend zu Wohnzwecken genutzt werden. Die vorherrschenden Gebäudetypologien sind das Einfamilien- und Doppelhaus. Die meisten Gebäude stammen aus der Zeit zwischen 1958 bis 1983, sodass rund 28 % der beheizten Nettogrundfläche nach Einführung der ersten Wärmeschutzverordnung errichtet wurden. Der durchschnittliche spezifische Wärmebedarf liegt bei rund 70 kWh/m²a. Entsprechend dem Gebäudealter in der Gemeinde Schenefeld weist dies auf ältere Neubauten und gut erhaltene Bestandsgebäude hin, die aber nach heutigen Standards nicht besonders energieeffizient sind. Lediglich die Bonifatiuskirche in der Holstenstraße steht unter Denkmalschutz, sodass sich hieraus keine besonderen Einschränkungen für Sanierungstätigkeiten ergeben.
Bis 2040 lässt sich bei einer angenommenen Sanierungsrate von 2,2 % (Zielszenario) eine Reduktion des Wärmebedarfs um etwa 6 % erreichen. Ein besonders hohes Effizienz- und Einsparpotenzial von bis zu 15 % bieten insbesondere die Gebäude rund um die Preester Koppel zwischen Hindenburgstraße und Soothweg sowie die Gebäude Ecke Holstenstraße/Am Markt einschließlich der Kirchen.
Für die dezentrale Wärmeversorgung wurde der Einsatz von Luft-Wärmepumpen als primäre Technologie bewertet. Aufgrund der geringen Bebauungsdichte ist eine flächendeckende Installation grundsätzlich möglich. Als alternative Wärmequelle für Wärmepumpen wurde zudem die Nutzung oberflächennaher Geothermie mittels Erdsonden geprüft. Diese ist jedoch durch zwei Trinkwassergewinnungsgebiete im Untergrund des Gemeindegebiets hinsichtlich der zulässigen Sondentiefe eingeschränkt. In Einzelfällen können Biomasse-Heizsysteme eine sinnvolle Alternative darstellen. Auch Kaminöfen können ergänzend zur Wärmeversorgung beitragen. Beide Optionen werden jedoch nicht als flächendeckend tragfähiges Versorgungspotenzial bewertet.
Die Nutzung von Wasserstoff und Biomethan wird aufgrund erheblicher Kosten sowie Versorgungsunsicherheiten derzeit nicht als realistisch erschließbares Potenzial eingestuft.
Für eine zukünftige Versorgung über ein Wärmenetz wurde die zentrale Luft-Wärmepumpe als vorzugswürdige Technologie bewertet. Da im betrachteten Gebiet keine wirtschaftlich nutzbaren Alternativen wie industrielle Abwärme oder Abwasserwärme zur Verfügung stehen, stellt die Nutzung von Außenluft als Wärmequelle die perspektivisch sinnvollste Option dar. Zur Abdeckung von Lastspitzen kann die Anlage sinnvoll durch einen Spitzenlastkessel auf Basis von Biomasse oder Biomethan ergänzt werden. Diese Kombination ermöglicht es, die Wärmepumpe auf die Grundlast auszulegen, Investitionskosten zu optimieren und insgesamt eine wirtschaftlich tragfähige Systemlösung zu realisieren.